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Gefangene in Untersuchungshaft
Die Untersuchungshaft wird als einschneidendes Ereignis erlebt -
für manche ist es ein kurzes traumatisches Intermezzo, für
viele der Beginn einer längeren Haftzeit. Der beengte Lebensraum
fördert Aggressionen und Lethargie. Untersuchungsgefangenen
fehlt momentan jegliche Perspektive, die Zukunft ist ungewiss, Angehörige
lassen auf sich warten, Besuche sind stark kontingentiert. Daher
resultiert der Wunsch nach möglichst viel Abwechslung! Grosses
Interesse besteht üblicherweise an Kochkursen, (Kraft)Sport-
und Kreativangeboten, Einzelbegleitungen und Gesprächsgruppen,
die oft von Ehrenamtlichen durchgeführt werden.
Gefangene
im geschlossenen Vollzug
Langzeitinhaftierte sind wiederum an dauerhaften Briefkontakten,
Einzelbegleitungen, Gruppenangeboten, Besuchen usw. interessiert,
weil ihre Beziehungen zu Angehörigen und Freunden im Laufe
der Haftzeit abbrechen oder bereits lange abgebrochen sind. Für
Inhaftierte im geschlossenen Strafvollzug kommen verschiedene Gruppenangebote
in Frage. Inhaftierte, die kurz vor der Haftentlassung stehen, haben
andere Wünsche als Kurzbestrafte. Da meistens weder die zeitlichen
und personellen Kapazitäten der Justizvollzugsanstalten noch
die der hauptamtlichen Mitarbeiter/innen der Freien Straffälligenhilfe
oder der Bewährungshelfer/innen ausreichen, um die Haftentlassung
ausreichend vorzubereiten, geschweige denn, darüber hinaus
langfristig unterstützend zu wirken, werden Ehrenamtliche als
zuverlässige Partner/innen gesucht.
Gefangene
im offenen Vollzug
Im offenen Vollzug werden vor allem Angebote im Sport- und Freizeitbereich
gesucht. Inhaftierte im offenen Vollzug gehen manchmal einer Arbeit
im Freien Beschäftigungsverhältnis nach und/oder haben
regelmäßig Urlaub. Ehrenamtliche werden manchmal als
"Garanten" gesucht. Die Aktivitäten Ehrenamtlicher
sind in diesem Bereich überwiegend in den Abendstunden/am Wochenende
erwünscht. Auch der Wunsch nach Unterstützung bei der
Vorbereitung der Haftentlassung oder bei der Stärkung der verbliebenen
Kontakte nach "draußen" wird geäußert.
Inhaftierte ohne persönliche Beziehungen außerhalb der
Haftanstalt suchen wiederum gerade die intensive Einzelbegleitung,
um neue dauerhafte Perspektiven für ein straffreies Leben zu
entwickeln und wünschen sich von Ehrenamtlichen viel Kontinuität.
Inhaftierte
Jugendliche
Junge Inhaftierte (meist männlich) werden durch die Haft extrem
in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Sie suchen Freiraum,
brauchen Bewegung, wollen sich messen. Angebote mit Musik, Sport,
Basteln, Gesellschaftsspiele, jegliche Art von Freizeitgestaltung
sind gefragt. Jugendliche in Untersuchungs- und Strafhaft kommen
oft aus schwierigsten familiären Bezügen und suchen in
ehrenamtlich tätigen Männern und Frauen, besonders im
Rahmen von Einzelbegleitungen, Familienersatz.
Inhaftierte
Frauen
Für Frauen bedeutet die Inhaftierung häufig eine traumatische
Trennung von ihren Kindern, die vorübergehend oder auch längerfristig
fremduntergebracht werden. Der Kontakt bricht oft über Wochen
oder Monate ab, Pflegeeltern und Heime melden sich nicht oder nur
zögerlich. Viele straffällig gewordene Frauen sind drogenabhängig
und haben zudem Gewalt- und/oder sexuelle Missbrauchserfahrungen
durch Männer zu verarbeiten. Dazu mangelt es häufig an
sinnvoller Vollzugsplanung. Hier können die Lebenserfahrung
und die Sensibilität ehrenamtlich tätiger Frauen angefragt
sein. Diese können inhaftierten Frauen Trost spenden und sie
parteilich ermutigen, neue Zukunftsstrategien zu entwickeln. Sie
können auf Wunsch auch helfen, Kontakte zu Angehörigen
wiederherzustellen.
Ausländische
Inhaftierte
Der Anteil ausländischer Inhaftierter ist groß - viele
ethnische Minderheiten müssen oft auf engstem Raum zusammenleben,
in großen Gefängnissen sind es bis zu 60 Nationen, manchmal
auch mehr. Viele Ausländer/innen befürchten zu Recht politische
Verfolgung oder wirtschaftliches Elend in ihrem Herkunftsland und
suchen Hilfe, die sie vor der Ausweisung schützt. Die meisten
Ausländer/innen haben das große Bedürfnis - aber
selten die Gelegenheit -, in ihrer Heimat- oder Muttersprache über
ihre Probleme, über in ihrer Heimat zurückgebliebene Familien
oder über für sie unverständliche Vorgänge im
Gefängnis zu sprechen. Es besteht daher ein großer Bedarf
an Übersetzungshilfen sowie Einzelgesprächen und Gesprächsgruppen.
Haftentlassene
Nicht erst nach langen Haftzeiten gehen straffällig gewordenen
Menschen Wohnung und Arbeitsplatz verloren. Außerdem haben
sich - sofern vorhanden - Familienangehörige und Freunde zurückgezogen.
Haftentlassene wünschen sich oft Orientierungshilfe und Unterstützung
bei der Erkundung ihres neuen Umfeldes, vorab brauchen sie praktische
Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche sowie bei Behördengängen.
Manchmal wird auch der Wunsch nach Hilfe bei der Wiederherstellung
des Kontaktes zu Familienangehörigen signalisiert.
Angehörige Inhaftierter
und Haftentlassener
Angehörige sind meist über Kontakte zu den Klienten und
Klientinnen der Straffälligenhilfe erreichbar, aber auch in
Selbsthilfegruppen. Ehrenamtliche, besonders diejenigen, die nicht
im Gefängnis tätig werden wollen, können hier ihre
Hilfe anbieten. Die Begleitung zum Gefängnisbesuch, Behördengänge,
Hilfen bei der Existenzsicherung sind in manchen Fällen gefragt.
Für manch eine/n Ehrenamtliche/n ergibt sich durch einen Kontakt
zu Angehörigen eine Annäherung an das Gefängnis und
seine Insassen.
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